Die Hungerzeichen deines Babys

Die Hungerzeichen deines Babys

Erwischt du immer den richtigen Zeitpunkt um dein Baby anzulegen? Oder bietest du ihm erst die Brust an, wenn es weint?

Oftmals werden Babys erst die Brust angeboten, wenn es bereits vor Hunger weint. Das macht das korrekte Anlegen schwierig, weil das Baby dann natürlich ungeduldig und hektisch ist. Dabei kann es auch passieren, dass Verletzungen der Brustwarze die Folge sind und die Mama die nächste Stillmahlzeit herauszögern mag aufgrund ihrer Schmerzen und der Angst vor dem kleinen Babyvampir… Ein Teufelskreis also.

Das muss aber nicht sein, wenn du lernst die Hungerzeichen deines Babys zu deuten und dann schnell sein Bedürfnis nach Nahrung befriedigst. Die Hungerzeichen sind prinzipiell bei allen Babys gleich, aber natürlich musst du dein Baby erst einmal kennenlernen und dann wirst du auch bestimmte individuelle Muster erkennen.

Achte auf folgende Zeichen deines Babys:

  • Lecken der Lippen
  • Schmatzgeräusche
  • Suchbewegungen
  • Hände oder Finger wandern in den Mund und werden besaugt
  • Zunge wird rausgestreckt
  • Unruhe
  • Weinen ist meist ein spätes Anzeichen, wenn die anderen Zeichen nicht erkannt wurden

 

Wenn du diese Zeichen richtig erkennst und dann rasch reagierst, wirst du merken wie dein Baby viel ruhiger deine Brust erfassen kann. Das macht das Stillen sowohl für dich als auch für dein Baby sehr viel stressfreier. Und gleichzeitig lernt dein Baby noch etwas wundervolles: seine Bedürfnisse werden schnell und richtig befriedigt. Das schafft Vertrauen und Zufriedenheit.

Und denke daran: Stillen hält sich an keine Uhr 🙂 Der alte Glaube, man sollte nur im 3 bzw. 4 Stunden Abständen stillen, ist längst überholt. Stille nach Bedarf und immer, wenn dein Baby dir die Zeichen dafür gibt. Das kann 8-12 x oder mehr innerhalb von 24 Stunden sein! Und es verändert sich, je nachdem in welcher Phase sich dein Baby gerade befindet. Und auch je nach Tageszeit kann der Abstand sich verändern, meist haben Babys in den Abendstunden öfters das Bedürfnis nach der Brust als tagsüber.

Vertraue dir und deinem Baby!

 

Unsere erste Stillzeit – ein Erfahrungsbericht

Unsere erste Stillzeit – ein Erfahrungsbericht

Stillen ist das natürlichste auf der Welt – dieser Satz ist so wahr aber ich habe ihn als blanken Hohn in der ersten Zeit mit unserem Baby empfunden.

Schon im Kreissaal stellte sich heraus, dass es wohl nicht so easy ist wie gedacht. Nach der Geburt standen wir ja völlig neben uns, erst wurde ich noch eine ganze Weile versorgt und dann waren wir den größten Teil der Zeit alleine und haben mit unserem Baby gekuschelt. Auf die Idee, es zeitnah mal anzulegen bzw. es die Brust selber suchen zu lassen, kamen wir nicht und hat uns auch niemand gesagt. So kam es, dass ich dann nach ca. 4 Stunden mein inzwischen sehr müdes Baby das erste Mal und im Beisein der Hebamme angelegt habe. Da das nicht so recht klappen wollte, die Hebamme aber auch nicht ewig Zeit hatte, brachte sie mir recht schnell die Stillhütchen, damit unser Baby die Brustwarzen besser fassen konnte.

In der ersten Nacht dann auf Station, ermutigte mich meine Intuition, es doch noch einmal ohne diese Dinger zu versuchen. Leider hatte ich bis dahin noch nichts von den Hungerzeichen eines Babys gehört, sodass ich es tatsächlich erst versucht habe anzulegen, als es schon sehr weinte und dementsprechend ungeduldig war. Es war sehr unangenehm und deshalb bat ich eine Nachtschwester um Hilfe damit sie sich mal unsere Stillposition anschaut, aber leider hatte keiner Zeit für uns… Dadurch wurden die Brustwarzen etwas in Mittleidenschaft gezogen, sodass ich dann doch wieder auf die Hütchen zurückgegriffen habe.

Da bei unserem Baby durch den Stress unter der Geburt ein etwas grenzwertiger Zuckerwert festgestellt wurde, riet man uns sogleich auch zum Zufüttern mit Glucose und Pre-Milch, welche wir in unterschiedlichen Methoden (mit Becher, mit Finger, mit Sonde,…) geben sollten.

Nach 2 Tagen auf Station mit Pumpen, stillen mit Stillhütchen und Zufüttern entschlossen wir uns, das Krankenhaus vorzeitig zu verlassen. Die ständig wechselnden Empfehlungen der verschiedenen Schwestern und die Hektik – darauf hatten wir einfach keine Lust mehr. Wir wollten einfach nur in Ruhe die erste Zeit mit unserem Baby genießen und auch nur eine Ansprechperson – unsere Nachsorgehebamme- haben.

Zuhause dann entwickelte unser Baby eine leichte Gelbsucht, weshalb wir die Zufütterungsmenge mit Pre-Milch steigern sollten. Das stillen mit Hütchen klappte so einigermaßen, ich hatte Schmerzen vor allem beim Ansaugen und auch das Gefühl, mein Baby war an der Brust sehr unruhig. Milch hatte ich inzwischen sehr viel, aber anstatt das Baby einfach öfter anzulegen, riet man uns, die Menge an Pre-Milch weiter zu erhöhen. Die Gewichtsentwicklung und auch die leichte Gelbsucht waren dann schnell zufriedenstellend.

Ab der zweiten Woche nach der Geburt fing es dann bei mir an mit ständigem Milchstau, mal die rechte Brust, mal die Linke. Kurz danach folgte auch die erste Brustentzündung. Ich fühlte mich immer kränker und schlapper. Meine Hebamme versuchte mir mit den üblichen Hausmittelchen (Globuli, Retterspitz, Quark, Kühlen,…) zu helfen, aber nach ein paar Tagen tastete ich eine stark abgegrenzte Verhärtung in der Brust, sehr nah an der Brustwarze. Daraufhin schickte mich die Hebamme dann doch mal zum Arzt mit Verdacht auf Abszess. Nach einem Ultraschall befand die Ärztin, dass es wohl keiner wäre sondern nur ein verstopfter Milchgang und schickte mich wieder heim. Ich war natürlich sehr erleichtert. Aber leider verbesserte sich mein Zustand nicht wirklich, ich bekam wieder eine Brustentzündung an der gleichen Brust mit starkem Fieber. Daraufhin bekam ich dann auch endlich Antibiotikum. Das Fieber wurde besser, aber die Verhärtung blieb. Auch der Versuch des Ausmassierens durch die Hebamme brachte keine Besserung. Nach fast 2 Wochen schickte sie mich doch noch einmal zum Arzt. Der war sich dann irgendwie doch auch nicht mehr sicher und gab mir eine Überweisung ins Krankenhaus mit.

Dort wurde dann nach Untersuchungen und Ultraschall festgestellt: es war ein Abszess. Sie haben ihn punktiert, was aber leider auch keine Besserung brachte. Sie haben mir noch einmal ein anderes Antibiotikum verschrieben und ich sollte nach 3 Tagen erneut vorbeikommen. Nach 3 Tagen das gleiche Spiel: Punktion ohne Erfolg. Nachdem es mir aber so durch das Antibiotikum recht gut wieder ging, beschlossen sie es erst einmal dabei zu belassen.

Während dieser ganzen Zeit stillte ich unser Baby weiter (mit Stillhütchen immer noch) und zusätzlich bekam es Pre-Milch inzwischen aus der Flasche.

Ein Tag nach meinem letzen Besuch im Krankenhaus bekam ich unglaubliche Schmerzen in der Brust, selbst Schmerzmittel halfen nichts. Also fuhren wir wieder ins Krankenhaus, ich hielt die Schmerzen kaum mehr aus, jede Bewegung und jede Erschütterung waren einfach nicht mehr zu ertragen. Ich bekam dann Schmerzmittel intravenös, erst Paracethamol und als selbst das keine Linderung brachte, Morphium. Ich muss ehrlich sagen, solche Schmerzen hatte ich noch nie in meinem Leben. Der Plan: doch OP am nächsten Tag. Mein Mann war mit unserem Baby daheim, da ich mich absolut nicht in der Lage fühlte es zu versorgen. Am nächsten Tag dann wurde der Abszess eröffnet und es kam heraus, dass es wohl die richtige Entscheidung war da er schon sehr prall und sehr groß war. Die Ärzte meinten, ich könnte trotzdem weiterstillen, auch mit offener Wunde am Brustwarzenhof (bei einem Abszess wird die Wunde offen gelassen, mit einer Lasche versehen und die ersten Tage immer wieder gespült, damit es von innen nach außen zuwachsen kann). Nach fast einem Monat Schmerzen und der Tatsache, dass unser Baby eh bereits Pre-Milch erhielt, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, weiter zu stillen. Die Angst, es könnte sich wieder ein Abszess bilden, war einfach zu groß. Also stillte ich noch im Krankenhaus mit Medikamenten ab.

Im Nachhinein bereue ich diese Entscheidung sehr, wobei ich auch weiß es damals zu diesem Zeitpunkt für mich einfach nicht anders ging. Durch die Schmerzen und den Wochenbett-Hormoncocktail war ich vor allem auch psychisch einfach angeschlagen. Ich hadere auch heute noch damit, wie unsere erste Zeit mit Baby gelaufen ist und bin traurig und auch wütend darüber. Denn ich bin überzeugt davon, dass sehr viele Punkte bei uns zusammengespielt haben, die nicht hätten sein müssen. Mit einer professionellen Unterstützung an meiner Seite und natürlich auch mit mehr Wissen von mir im Vorfeld hätte es vielleicht nicht soweit kommen müssen und wir hätten noch eine lange und glückliche Stillbeziehung genießen können.

Das war und ist einer meiner Hauptbeweggründe für mein Entschluss, Stillberaterin zu werden: ich möchte anderen Mamas und Babys professionell helfen, die auch Schwierigkeiten haben und ihnen somit zu einer glücklichen Stillbeziehung verhelfen, wenn sie das wünschen.

Alles Liebe,
Andrea