Roses Revolution-Ein Zeichen gegen Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe

Roses Revolution-Ein Zeichen gegen Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe

Am 25.11. ist es wieder soweit – bereits zum 5. mal möchten Frauen auf der ganzen Welt auf Mißstände, Gewalt und Respektlosigkeit in Schwangerschaft und unter der Geburt aufmerksam machen. Dafür werden von den Betroffenen rosafarbene Rosen und Briefe vor den Kreissaal gelegt.

Das Thema wird leider immer noch viel zu oft totgeschwiegen. Oft werden die Trauma der Frauen abgetan mit „Hauptsache das Kind ist gesund“ oder „Geburt ist nun einmal kein Spaziergang“. Dabei sind die betroffenen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch traumatisiert und zutiefst erschüttert. Das Gefühl der Fremdbestimmung, Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins hinterlässt nicht selten tiefe Spuren.

Physische Gewalt bedeutet zum Beispiel:

  • keine freie Wahl der Geburtsposition (durch z.B. festhalten oder sogar festschnallen der Beine)
  • medizinisch nicht notwendige Untersuchungen (wie den Muttermund wiederholt tasten wenn kein Bedarf besteht)
  • ein Dammschnitt ohne Einverständnis und ohne Notwendigkeit
  • ein Kaiserschnitt ohne Einverständnis und ohne Notwendigkeit
  • andere medizinische Interventionen ohne Einverständnis und ohne Notwendigkeit (z.B. Medikamentengaben, Kristellern, Katheder legen,…)
  • Zwang unter Wehen still zu liegen

 

Psychische Gewalt bedeutet zum Beispiel:

  • Anschreien und Beschimpfen
  • Drohungen und verbale Gewalt wie „Reißen Sie sich jetzt mal zusammen“ oder „Wenn Sie jetzt nicht mitmachen, stirbt Ihr Baby“,…
  • wenn die Frau unter der Geburt allein gelassen wird (außer sie möchte das ausdrücklich)
  • Machtmissbrauch („Sind Sie jetzt die Fachfrau oder ich“,..)
  • sexualisierte Sprüche oder Witze
  • Zwang

Es ist erschreckend, wie viele Frauen betroffen sind. Bereits letztes Jahr wurden vor 22% aller Geburtskliniken in Deutschland Rosen niedergelegt. Liegt es daran, dass der Personalschlüssel in Geburtskliniken immer schlechter wird? Dass Geburtshelfer und Ärzte schlicht mit der Anzahl der gebärenden Frauen überfordert sind? Sicher sind das Gründe, warum immer öfter und ohne medizinische Notwendigkeit in den natürlichen Geburtsprozess eingegriffen wird. Warum die Aufklärung und Einbindung der Frauen in die Entscheidungen immer mehr zu kurz kommt. Aber wo bleibt dennoch die Empathie, das Sehen des Menschen und der Respekt vor der Frau und dem Wunder Geburt? Gerade bei Menschen die in der Geburtshilfe arbeiten, sollten das doch wesentliche Bestandteile der Persönlichkeit sein, oder hat man sonst nicht den Beruf verfehlt?

Der erste Schritt für eine würde- und respektvolle Geburt wäre eine Reform des aktuellen Systems in der Geburtshilfe. Hier ist die Politik gefragt, welche ja leider bisher auch durch zahlreiche Aktionen und Petitionen nicht zu bewegen war.

Doch was kannst du tun, um eine selbstbestimmte und würdevolle Geburt zu erleben? Ich finde es enorm wichtig, sich im Vorfeld ganz klar darüber zu werden, was man möchte und vor allem, was man unter der Geburt NICHT möchte (Medikamente, Vorgehen, …).Und dies auch klar zu kommunizieren und seinen Partner zu instruieren, damit er im Zweifel deinen Willen vertreten kann.  Auch kann ich nur empfehlen, sich ganz genau den Geburtsort und die Geburtsbegleiter auszusuchen.

Wenn du nun aber schon betroffen bist und Gewalt unter der Geburt erleben musstest, so möchte ich dir Mut machen, dir Hilfe zu suchen. Das kann das Gespräch mit einer vertrauten und passenden Person sein, die dich und deine Gefühle ernst nimmt und nichts herunterspielt. Das kann aber auch die Hilfe durch eine Person sein, die sich auf Traumaheilung spezialisiert hat (Gerechte Geburt). Wichtig ist, dass du das erlebte aufarbeiten und damit auch eine tiefe Bindung zu deinem Kind aufbauen kannst. Und wenn du magst, darfst du deine Geschichte auch gern hier oder bei Roses Revolution mit uns teilen.

Viel Kraft und alles Liebe,
Andrea

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