Erlebnis

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Was erlebt das Kind beim Stillen?

Wenn die Mutter das Kind an ihre Brust anlegt, erlebt es ein „Fest der Sinne“. Nicht selten dankt es ihr schon nach wenigen Wochen dafür mit dem ersten Blickkontakt. Dies ist ein Zeichen. Es zeigt, dass es zwischen Mutter und Kind gut klappt bzw., dass bereits eine starke Bindung existiert. Jedes Mal erlebt es, wie die Muttermilch schmeckt und wie seine eigene Mutter riecht. Es genießt immer wieder neu, wie sie sich anfühlt. Ebenso lauscht es ihrem Herzschlag. Und ihre Stimme ist ihm vertraut geworden. Ist die Bindung zwischen Mutter und Kind also intakt, fühlt es sich körperlich meistens gut. In seelischer Hinsicht stellen sich Erfahrungen ein, die es im Leben brauchen wird: Das Kind fühlt sich geliebt und geborgen. Mehr noch: Diese Zeit, in der ein Säugling so eng mit der Mutter verbunden ist, wird ihm dabei helfen die traumatischen Dinge, die er während der Geburt durch-
machen musste, zu verarbeiten.


Was erlebt eine Mutter, die ihr Kind stillt?


Außer, dass es der Verständigung zwischen Mutter und Kind dient, hilft das Stillen jeder Mutter dabei, mit ihrer neuen Rolle zurecht zu kommen. Das Wissen darum, dass sie allein dafür verantwortlich ist, ihrem Kind die lebensnotwendige Muttermilch zu geben, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Darüber hinaus kann es ihr ebenso helfen, eine möglicherweise schwierige Geburt zu verarbeiten. Insbesondere für Mütter, die ihr Kind beispielsweise per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht haben, ist es wichtig mit dem Säugling eine intensive Zeit zu haben. Die Intimität zwischen Mutter und Kind und die Ruhe lösen Spannungen auf. Dadurch entstehen auf der mütterlichen Seite oft die Kraft und der Wille, den Blick nach vorn zu richten. Alles, was traumatisch ge-
wesen ist, gerät in Vergessenheit. Was zählt, ist die Fähigkeit Verantwortung für das Neugeborene zu übernehmen;
es kennen und lieben zu lernen.

Während das Kind ihre Milch trinkt, kann die Mutter auf natürliche Weise erkennen, was es braucht. Es gibt selbstverständlich Umstände, die Frauen zu dem Entschluss führen, ihrem Baby die Flasche zu geben. Und da von außen betrachtet die jeweiligen Gründe nicht immer komplett zu erkennen sind, sollte eine solche Entscheidung stets respektiert werden. Die Mutter jedoch, die ihrem Kind die Brust gibt, kann ganz unkompliziert auf dessen Wünsche reagieren. Würde sie ihrem hungrigen Kind erst noch ein Fläschchen zubereiten müssen, gäbe sie zahlreichen Störfaktoren zu viel Raum. Ein gestilltes Kind ist ein schneller zufrieden gestelltes Kind. Die Mutter lernt früh zu unterscheiden, welche Ursache das Drängen ihres Säuglings hat. Da ist oft von Vorteil, dass die Mutterbrust eine multifunktionale Funktion hat. Denn manchmal fällt es dem Kleinen einfach nur schwer ein- oder weiterzuschlafen. Da kann das Anlegen an die Brust mehr Wärme und Trost schenken als ein stundenlanges Herumtragen. Auch die Unruhe oder gar Angst des Säuglings in einer neuen, ungewohnten Umgebung lässt sich an der Brust der Mutter leichter verarbeiten. Mittlerweile sind stillende Mütter an öffentlichen Plätzen gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert, was als ein Fortschritt in Sachen Kindererziehung anzusehen ist. Schließlich geht es in erster Linie darum, Stress zu
vermeiden oder zu reduzieren.